Musik an St. Egidien Nürnberg
Brahms getanzt
"St. Egidien bleibt der Ort für besondere Konzertmomente. Pia Praetorius erweiterte die Klavierfassung des "Deutschen Requiems" von Johannes Brahms um die Dimension des Tanzes. Zusammen mit dem taiwanesischen Choreografen Shang Chi Sun stellte sie eine berührende Verbindung her. ...Energetisch wurde die Dichte der menschlichen Empfindung hörbar und sichtbar. So geriet der Abend zu einer sinnlichen Reflexion für Auge, Ohr und Herz. "
(Nürnberger Nachrichten, 17.10.2011)

"Was wäre ein Konzert in der Kulturkirche St.Egidien ohne die für Pia Praetorius’ Wirken symptomatische Ästhetik. Diesmal sollte der taiwanische Choreograf Shang-Chi Sun mit tänzerischen Mitteln den Requiem-Text ausdeuten. ...Dank der Sensibilität des glänzend präparierten Egidienchors und Strahlkraft der Solisten (Siri Karoline Thornhill, Stefan Sevenich) hinterließ das Egidien-Projekt einen durchwegs positiven Eindruck.  ...
Drei exzellente Tänzer imaginierten textgetreu mit modern stilisiertem Bewegungsrepertoire die geistliche Atmosphäre von Leid, Sterblichkeit, Trost und Hoffnung. ...
Vom Bühnenrand aus steuerte Pia Praetorius, auch die Position wechselnd, ihre tänzerisch inspirierten Impulse. Wie erfindungsreich Shang-Chi Sun Dynamik ins Geschehen zu bringen versteht, wurde im triumphierenden Ausbruch „Tod, wo ist dein Stachel?“ deutlich. Die spontan einsetzende Begeisterung galt einer atmosphärisch spannungsdichten Aufführung."
(Nürnberger Zeitung, 17.10.2011)

"GrauSchumacher, das international renommierte, bruchlos zusammenspielende KlavierDuo, machte vierhändig auf einen historischen Flügel von Blüthner hörbar, wie meisterlich Brahms das Werk in eine Klavierversion umsetzte. Doch nicht nur die kammermusikalische Begleitung machte Staunen, auch die qualitätsvolle Interpretation, die Pia Praetorius in St. Egidien ... realisierte. ... Hier wird keine falsche Opernnähe suggeriert. Nichts versäuselt in weihevoller Stimmung. Mit klangvollen Piani, lobenswerter Textverständlichkeit, führte der Chor die Stimmen durch die Register – dies bei durchwegs sauberer Intonation und weit gespannten Crescendi.
Im Übrigen fügte sich Fred Pommerehns Lichtregie durch dezente Farben harmonisch in den Handlungsrahmen ein.
Wie erfindungsreich Shang-Chi Sun spannungsgeladene Dynamik ins Geschehen bringt, wurde im prägnant rhythmisierten Marsch im zweiten Teil oder bei der Steigerung zum großen Ausbruch „Denn alles Fleisch es ist wie Gras“ deutlich. So türmten sich „so seid nun geduldig, liebe Brüder – und „Die Erlöseten des Herrn“ nicht nur musikalisch zu großen Steigerungen, sondern ließen in der Körperlichkeit auf der Tanzbühne menschliche Lauterkeit, emotionale Integrität und Danksagung durchscheinen. Das verriet viel musikalischen und gestalterischen Geschmack. Der jubelnde Applaus galt einer atmosphärisch wohl gelungenen Aufführung."
(Der Opernfreund, 41. Jg)